Willkommen auf dem Wortspielplatz! Hier geht es um alles, doch nichts Banales. Allenfalls Bananen. Hier geht es um Worte. Schöne Worte, hässliche Worte, aber immer in ihrer schönsten Form: dem Satz. Und davon gleich mehrere!

And the second monkey goes to…

..Flo!

Flo, der es geschafft hat, mich mit seinem Satz ordentlich ins Grübeln zu bringen, bekommt den zweiten Platz meines your phrase, my blog-contest – gleich nach der grande dame der Eloquenz. Doch zu ihr kommen wir nächste Woche, denn jetzt ist erst einmal Flos geklautes, aber effektiv eingeworfenes Zitat an der Reihe, von mir rhetorisch zerpflückt zu werden.

Ich habe recht lange nach einer passenden Einleitung für den grandiosen Satz gesucht und, passenderweise hat mir heute Herr Steinfeld von der Süddeutschen eine Steilvorlage geliefert. In seinem Artikel Alarm, Alarm freut er sich mächtig über die Daisy-Hysterie. Mit Freuden schließe ich mich Seiner Wortgewandtheit an – ich finde es auch interessant, das bei jeder sich bietenden Gelegenheit Alarm geschrien wird. Rinderwahn folgt Vogelgrippe folgt Schweinegrippe. Und, Gesundheit!, jetzt heben wir Daisy auf den Mecker-Olymp, eine nahe Verwandte von Lothar, dessen Besuch uns sicher gut in Erinnerung geblieben ist.
Diese Wetterhysterie ist allerdings nichts neues, so weit ich mich zurück erinnern kann, wird im Wechsel alle zwei Jahre von einem Jahrhundertwinter oder –sommer gesprochen – an sich schon ein wissenschaftliches Kuriosum. Und ist das Wetter nicht sowieso in aller Munde? Das als Smalltalk für Anfänger verpönte Thema treibt sich derzeit sogar in den Hauptschlagzeilen unserer Tageszeitungen herum. Ein Karrierestart vom Feinsten möchte man meinen. Ein im Artikel zitierter Philosoph macht hierfür das menschliche Bedürfnis nach Angst verantwortlich. Das möchte ich gar nicht abstreiten, begeben wir uns schließlich nicht ständig in bedrohlich erscheinende Situationen, um einen Kick zu erhalten? Sei es nun der neueste Horrorstreifen, in dem eine blondhaarige Studentin kunstgerecht zersägt wird, oder gar der Kindergeburtstag, den wir mit dem Wissen besuchen, dass wir es wieder einmal verschwitzt haben, ein Geschenk zu besorgen – wir wünschen uns diesen Stromstoß fürs Gehirn.

Angst impliziert Negatives, doch hat diese scheinbar fehlgeleitete Begeisterung nicht auch etwas Gutes? An dieser Stelle komme ich zu Florians Satz: Du nennst es Pathos, ich nenn’ es Leben. Urheber dieser eindrucksvollen Phrase ist Thees Uhlmann von der Hamburger Band Tomte. Was genau Thees durch den Kopf ging, als er diesen Satz niederschrieb, vermochte ich mir nur vage vorzustellen – bis ich heute morgen die Zeitung aufschlug.
Ist es nicht auch Pathos, das wir der Evolution einen Streich spielen und aus Mücken Elefanten machen? Künstliche Aufregung hält uns am Leben. Wir müssen nicht mehr jeden Tag Todesängste ausstehen, wie damals als wir unser Abendessen noch selbst erlegen mussten. Heute können wir uns am wohlig knisternden Kaminfeuer pathetisch über das stürmische Wetter draußen aufregen. Wissen wir doch, dass uns nicht wirklich etwas passieren kann, eingelullt in den warmen Mantel der Zivilisation. Und so dramatisieren wir das uns verbliebene Abenteuer: das Leben. Formulierte nicht schon Shakespeare so theatralisch: “Nimmer gab es ein so trübes Los, als Julias und ihres Romeos!” Dass die Prise Drama Wirkung hat, beweisen tausenden von Tränen, die über diesen Zeilen vergossen wurden.
In jedem von uns steckt eben eine kleine Dramaqueen, die tagtäglich mit neuen Pathos-Pralinés gefüttert werden möchte. Gönnen wir uns den Spaß, greifen wir in die Pralinenschachtel! Man weiß schließlich nie, was man bekommt…

Und Du, lieber Florian, siehst hier Deinen Hauptgewinn, den Du Dir ausschneiden und auf den Schreibtisch stellen darfst.

sockmonkey1

...von monkeyeve. 13. Januar 2010 um 00:00. Schublade: wortpolonaise.


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