Willkommen auf dem Wortspielplatz! Hier geht es um alles, doch nichts Banales. Allenfalls Bananen. Hier geht es um Worte. Schöne Worte, hässliche Worte, aber immer in ihrer schönsten Form: dem Satz. Und davon gleich mehrere!

Die 1-Cent-Verschwörung.

wer dieses Szenario nicht kennt, ist entweder Bewohner einer anderen Galaxie oder bekennender Eremit:
Da stehe ich ahnungslos an einer BurgerKing-Kasse an, heiß(hungrig) auf einen Cheeseburger. Kaum steht die Bedienung vor mir, MEIN Lebensmittel in der Hand, zücke ich natürlich sofort mein 1-Euro-Stück, in der Erwartung unverzüglich mit meinem Burger beglückt zu werden. Doch was macht sie? Die Kasse springt auf, und ja, sehe ich richtig, sie fängt an nach einem 1-Cent-Stück zu suchen. Verdammt, denke ich mir in dem Moment, ich bin nicht im MacDonalds, in dem sie sich mit einem schnöden Einer zufrieden geben. Nein, hier versucht man sich mit 99ers zu differenzieren. Seht her, wir sind einen ganzen Cent billiger! Was du dir damit alles leisten könntest!
Soviele Burger kann ich gar nicht essen, dass sich das lohnen würde. Ich überfresse mich doch nicht, nur damit ich mir mal Brautschuhe leisten kann!

Für alle Unwissenden: früher, also damals, als ich noch jung war, sammelte man Kleingeld in einer großen Flasche, bevorzugt Asbach Uralt, um sich damit irgendwann Brautschuhe kaufen zu können. Nun ja, das Geld hab ich bei der Hälfte irgendwann auf den Kopf gehauen und mir ein Fahrrad gekauft.

Welchen Sinn haben diese Preise denn überhaupt? Heute glaubt doch keiner mehr, dass etwas billiger ist, nur weil das Etikett eine Kommazahl aufweist. Das ist ja so, als würden wir für unmündig erklärt werden. Zu blöd zum selber denken.
Und die Cent-Stücke braucht kein Mensch. Will man einmal mit dem Kleinkram bezahlen, werden alle gleich böse. Ich bin doch nicht masochistisch veranlagt!

Da kramt und sucht sie in ihrer Kasse, während ich gierig auf meinen Burger stiere. Kann man überhaupt so hungrig sein? Mein Magen weitet sich zu einem kalorienverschlingenden Mahlstrom. Wenn da nur Kalorien wären. Aber sie sucht und sucht stur weiter. Ich starte einen Versuch mit einem gequälten: „Ach, passt schon so…“ Dafür ernte ich nur einen bösen Blick, der wohl soviel sagen soll wie: Wie kann man es nur wagen, so wenig Trinkgeld für angemessen zu halten? Entweder richtig oder gar nicht.

Kühl wie mein Burger gerade wird, entgegnet sie: „Nein, nein, Sie bekommen Ihren Cent schon noch.“ Dabei krallen sich ihre Finger weiter unverfroren in mein Abendessen.

Und, kann es noch besser werden? Sie hat kein Kleingeld mehr in ihrer Kasse! Bevor ich überhaupt ansetzen kann, ist sie abgezischt, um bei ihrer Kollegin eine Rolle zu holen. Meinen Burger hat sie immer noch in der Hand. Er sieht auch schon gar nicht mehr so toll aus. Aber was soll’s, es ist mein Burger und ich, nur ich, habe das Recht ihn in meiner Hand welk werden zu lassen.

Da! Sie tratscht mit ihrer werten Burger-Freundin anstatt unterwürfig mit der 1-Cent-Rolle zurückzueilen. Und immer wieder wirft sie mir einen Blick zu. Die lästern über mich! Ich bin kurz davor, über die Theke zu springen und ihr den Burger aus der Hand zu reißen, da kommt sie auf mich zu und überreicht ihn mir mit einem strahlenden Lächeln. Und das 1-Cent-Stück.

Geschlagen drehe ich mich um und wanke zur Tür hinaus. Egal, jetzt hab ich ja, was ich wollte. Was soll’s! Sie hatte bestimmt nur einen schlechten Tag. Jetzt kann ich mich ganz meinem Burger widmen!

Ich beiße hinein und stelle fest: Mein Hunger ist weg.

...von monkeyeve. 18. August 2008 um 00:00. Schublade: stadtgespräche Socken: , , .


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