Willkommen auf dem Wortspielplatz! Hier geht es um alles, doch nichts Banales. Allenfalls Bananen. Hier geht es um Worte. Schöne Worte, hässliche Worte, aber immer in ihrer schönsten Form: dem Satz. Und davon gleich mehrere!

Ehre, wem Ehre gebührt.

Es gibt da so ein Männchen, dem, meiner bescheidenen Meinung nach, viel zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird – und zwar schon seit geraumer Zeit. Mag sein, dass ich in meiner Jugend stark von dem Schnurrbartträger traumatisiert wurde – um genauer zu sein, in jeder einzelnen Schulstunde. Natürlich war er jahrelang das Hauptthema in Fächern wie Geschichte, Deutsch, gemeinschaftskunde und Religion. Aber irgendwie hat es der verkannte Künstler auch in Englisch, Französisch, Russisch, Erdkunde, Kunst und Musik geschafft. Damals kam es mir so vor, als wären seine Weltherrschaftspläne ganz erfolgreich aufgegangen. Was habe ich das Fach Sport damals geliebt.

Ich habe mir vorgenommen, irgendwann auf dieses Ungleichgewicht in der deutschen Schulbildung hinzuweisen, doch wie das so ist, kaum ist man aus der Schule, wird diese Zeit erfolgreich verdrängt. Es sei denn, man ist Pädagoge und verrückt danach, die Welt nach den eigenen Vorstellungen zu verbessern (womit wir wieder bei der Diktatur wären).

Dass ich seit jener Zeit jedesmal akuten Brechreiz bekomme, wenn ich das Wort “Zweiter Weltkrieg” nur höre, ist mein persönlicher Holocaust
(Anmd. d. Ein-Frau-Redaktion an alle, die jetzt empört aufschreien: das ist ein Wortspiel und nicht ernst zu nehmen!).
Verantwortlich mache ich den größenwahnsinnigen Zwerg auch dafür, dass mir lange Zeit wundervolle Bücher wie “Die Nacht von Lissabon” von Erich Maria Remarque und “Das siebte Kreuz” von Anna Seghers entgangen sind. Erst “Die Bücherdiebin” von Markus Zusak hat es nach sechs Jahren geschafft, mich auf herzzereissende Weise zu diesem Thema zurückzuführen.

Wer bis jetzt noch nicht weiß, von wem ich rede, ist entweder in einer tibetanischen Höhle von einem barttragenden Eremiten aufgezogen worden, oder einer dieser Pisa-Kandidaten, die denken, die “Zauberflöte” sei von Falco komponiert worden. Die Rede ist natürlich von Hitler, der optisch und akustisch in der Reihe der Diktatoren und Unterdrücker zwar ganz schön abkackt, aber mit seiner Erfolgsrate der Welt- und Moralzerstörung ganz vorne mit dabei ist.

Nachdem ihm in letzter Zeit fast der Rang in der öffentlichen Aufmerksamkeit abgelaufen wurde, von einem, der es mit der Hautfarbe auch sehr genau genommen hat
(der Kommentar eines Kollegen zu seinem Tod: “Who’s dead?”, Anmd.d.Red.: sinnfreier Kalauer, aber lustig), ist er jetzt wieder leinwandfüllend in den Kinos dieser Welt unterwegs. Wie zu erwarten war, natürlich in einem Film, über den sich Kritiker nur so ihr verbales Maul zerreissen.
Dass Tarantino an das Thema herangeht, hätte ich ehrlich gesagt auch nie erwartet – aber dass sich dann jemand darüber beschwert, dass der Film voll sinnloser Grausamkeiten und hohler Sprüche ist, erst recht nicht. Denn erstens ist es doch das, wofür Tarantino bekannt ist und zweitens finde ich es gerade deswegen eine grandios gelungene Interpretation des Dritten Reiches: dem Reich des grundlosen Metzelns und der flachen Floskeln.

Da bekommt Hitler endlich mal den Respekt, der ihm gebührt: nämlich garkeinen.

...von monkeyeve. 2. September 2009 um 20:42. Schublade: filmgeschichte, monkeysee.


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