Vieles war hier bisher ein Thema, aber Literatur noch nicht. Dabei kann ich wohl über kein Thema mehr erzählen – und ausnahmsweise sogar mehr als Nonsens.
Also auf zu einer kleinen literarischen Reise durch mein Bücherregal. Ganz oben, aufgeschlagen auf Seite 429 liegt die große ‘Anna Karenina’. Und genau eine Seite davor bin ich auf folgenden Satz gestoßen:
“Dank gymnastischer Übungen und einer systematischen Körperpflege verfügte er über so bemerkenswerte Kräfte, dass er trotz erheblicher Ausschweifungen frisch blieb wie eine große, grünglänzende holländische Gurke.”
Welcher junge Mann (oder Prinz wie in diesem Fall) kann das heute noch von sich behaupten? Bis zu diesem Satz habe ich mich zwar nicht gerade durchgequält. aber es ging mir wie bei vielen Klassikern: der Autor ergeht sich über Seiten hinweg in Landschafts- oder Personenbeschreibungen, die man entweder in einem Schwung überliest oder die man sich schön einzeln vornimmt. Ich habe so eine Mischung aus beidem versucht und inzwischen bin ich schon fast gut darin. Jede dieser Beschreibungen kann ja einzeln ein echter Genuss sein, wie ein schönes Gemälde. Aber genauso wie in einem Museum werden einem die schönsten Kunstwerke irgendwann zu viel. Und ‘Anna Karenina’ ist da eindeutig der Louvre.
Das heißt aber nicht, dass die Geschichte nicht interessant ist, sie ist nur aufwändig verpackt. Und will man drankommen, muss man sich ganz schön in Geduld üben. So hab ich mich also durch Moskau und Petersburg gelesen und mich zwischen russischen Romanzen und kommunistischen Denkweisen fast verirrt.
Bis ich auf den Gurken-Satz stieß. Jetzt glaube ich, dass Leo ganz schön viel Humor hatte. Wahrscheinlich ist dieser geniale Satz die Belohnung dafür, fast das halbe Buch durch zu haben. Bin schon gespannt, was mich am Ende – neben dem Schienensuizid – noch erwartet.
...von . 21. April 2008 um 11:50. Schublade: monkeyread, wortpolonaise Socken: bücher.









von affe zu affe
Hallo Eva,
ich erlaube mir gerade, Dein Blog anzuschauen, nachdem Du mir gestern den Link gegeben hast.
Ha, genau dieses Buch (Anna Karenina) liegt bei mir auch auf dem Nachttisch, ebenso bei ca. Seite 300-400. Bei dem Dir beschriebenen Satz bin ich wohl noch nicht angelangt oder ich habe ihn überlesen. Aber mir geht es mit diesem Buch genauso!
Übrigens bin ich froh, dass es noch andere gibt, die Eclypse und diese Stephenie Meyer als eine Entgleisung finden. Ich habe das Gefühl, dass ich mit meiner Meinung komplett alleine dastehe!
Viele Grüße
Bärbel
Mehr von den Gurkensätzen bitte
Der gute alte Leo. Habe wieder Karenina aus dem Regal gezogen auf der Suche nach dem Gürkchen und ähnlichen Sätzen im Louvre der russischen Klassik.