Willkommen auf dem Wortspielplatz! Hier geht es um alles, doch nichts Banales. Allenfalls Bananen. Hier geht es um Worte. Schöne Worte, hässliche Worte, aber immer in ihrer schönsten Form: dem Satz. Und davon gleich mehrere!

Mein liebes Fräulein…

…darf ichs wagen, Ihnen Arm und Geleit ihr anzutragen? Dr. Fausts frivole Anmache machte Gretchen so garnichts aus, als sie kokett antwortete: Bin weder Fräulein weder schön, kann ohngeleit nach Hause gehn. Bäm, voll in die Fresse.

Anerkennend nicken Riegen von Frauen Jahrhunderte hindurch. Tja, dem hat sie’s gegeben. Soll der doch erstmal seine Buchstaben wieder einsammeln und mit einer schlaueren Frage wiederkommen. Es traf den Doktor tatsächlich tief, denn er mono- und dialogierte (mit dem Teufel) erst ewig vor sich hin, bis er einen Zweitversuch startete.

Das Fräulein von damals war der Chuck Norris von heute. Nur in einer viel schöneren Verpackung. Was bissen sich damals die Männer reihenweise die Zähne an Burgfräuleins, unnahbaren Boudoir-Prinzessinnen und handfesten Bauernhofamazonen aus. Und was sie alles machten, um so einem Fräulein einen vielversprechenden Blick unter gesenkten Wimpern abzuringen! Drachen töten, Kriege gewinnen, Schätze heben. Ja, sogar Gedichte schreiben.

Wo ist das Fräulein nur hin? Ist es kurz Ritter betören gegangen und nie wieder gekehrt?

Aber nein, ich hab es vor ein paar Tagen wiederentdeckt. Am unfräuleinhaftesten Ort, den man sich denken kann. Im Bahnhofskiosk teilte es sich das überfüllte Regal mit anderen Zeitschriftenstapeln, eingeklemmt zwischen der matronenhaften Brigitte, der attitüdenbehafteten Gala und der skinny Vogue.

Mit glänzenden Blättchen strahlte sie mich ganz unprätentiös an. Ein übermaltes Covergirl, dachte ich, halt mal? Sonst gehe ich aus purer Bahnhofslangeweile (kann ja nicht überall soviel los sein wie in Stuttgart) den Zeitungsstand durch und denke in einer Tour Kennstduschonhastduschonwillstdunichtachdieschonwiederabnehmtippsneecht?ganzwasneues. Nur dieses eine Mal wars anders. Amber Medda statt Blake Lively-Olivia Palermo-Wiehießsienochgleich? ziert das Cover und schaute mich dabei ernst durch einen bunten Schleier an. Schön auch: “Warum Kate Moss uns so enttäuscht”. Zahllose Male besser als “Wie wird Brangelinas nächster Nachwuchs heißen? Stimmt auf Facebook ab”.

Gekauft!

Später beim Blättern kam dann die Erkenntnis: Hallelujah, das gedruckte Wort hat die Powerfrau von damals wiederentdeckt. Doch halt, gedrucktes Wort ist bei weitem nicht das richtige Wort dafür (ja genau!). Es ist vielmehr ummalt, gezeichnet, bezeichnend und sonst auch sehr schön gestaltet. In friedlicher Eintracht existieren Omarezepte, halbnackte Musen und Wonderwomen nebeneinander.

Wenn ich mich auch sonst schwertue, Wörter durch Wegwerfen den Garaus zu machen – ich gestehe, ich bin lettrophil – trenne ich mich fast täglich von Zeitungen und Magazinen, die ich durch Lesen entleert habe.  Hier kann ich das nicht. Die “Fräulein” ist für mich ein Sammelobjekt und das schon nach der ersten Ausgabe. Zeige ich jetzt schon Suchterscheinungen? Ich kann nur hoffen, dass es kein Ein-Tags-Fräulein ist.

Also, Prädikat: lesens-, sehens- und blätternswert.  Und erst recht weitererzählenswert.

Wo das Fräulein von heute einkauft, hab ich übrigens auch schon entdeckt. Im Fräulein Sonntag. Da werde ich doch gleich mal shoppieren gehen.

Da habe ich nun völlig unbezahlt (höchstens in wundervollen Buchstaben-Bild-Kombinationen) Werbung für ein Magazin gemacht. Ihr staunt? Na fragt mich erstmal. Aber ich hab’s gern getan.

Weil ich ein Fräulein bin.

...von monkeyeve. 16. Dezember 2010 um 02:54. Schublade: good monkey, bad monkey, monkeyread, zeitgeister.


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