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Mein Weihnachtswunder und Titanic, Teil 2.

Als Zeichen meiner tiefempfundenen Reue für eine etwas länger andauernde Blog-Abstinenz gibt es hier gleich zwei Blogs in einem – auch wenn die Zeit des Gebens schon wieder vorbei ist… ;)

Weihnachten hat für mich etwas von einer Gruppentherapie: Man kommt zusammen, in der Hoffnung, eine Rechtfertigung für das erlebte Einkaufstrauma zu bekommen. Der Gruppenleiter (im Normalfall der Weihnachtsmann) passt streng auf, dass man gefälligst Spaß hat und sich alle mit mit Geschenken überhäufen. Das Gegenüber wird dabei kritisch beäugt – gefällt das Geschenk denn auch? War das Rentiermotiv auf dem Strickpullover vielleicht doch etwas zu dick aufgetragen? Hat auch keiner die Ringelsocken zweimal geschenkt bekommen?
Wenn’s dumm läuft, sieht man sich zwei Tage später in der Warteschlange vor der Umtauschkasse wieder. Ich halte wenig von dieser Nacharbeit für die Gruppentherapie und, oh Wunder, dieses Jahr wurde ich davon verschont. Tatsächlich hatten diesmal alle Geschenke ins Schwarze getroffen und waren wunderbarerweise nur einmal aufgetaucht.

Allein aus diesem Grund habe ich mich heute in die Fußgängerzone gewagt: um mich in meinem Glück zu suhlen. Ich muss sagen, es war ein herzerwärmendes Gefühl, an den kilometerlangen Warteschlagen vorbeizuschlendern und den leidenden Beschenkten einen mitleidigen Blick zuzuwerfen. Nur deswegen habe ich mir dann auch eine schnurlose Maus zugelegt – ich habe sie demonstrativ hochgehalten, damit ich auch jeder sehen konnte, dass ich keinen Kassenbon zum Umtausch in der Hand hatte. Nein, ich war nur zum reinen Vergnügen hier und das sollte auch jeder mitbekommen. Sollte ich jemals ermordet werden, wird sich die Polizei über die ellenlange Liste meiner Feinde wundern, schätze ich.
Nur mal so am Rande, diese Maus ist doch eigentlich ein Wunder. Optisch! Und ohne Kabel! Was würde ich dafür geben, Bill Gates in den 80ern zu besuchen und sie ihm unter die Nase zu halten.. Schade, dass keine Zeitmaschine unter dem Weihnachtsbaum war.

Übrigens, bei meiner Lebens-Exkursion bin ich tatsächlich auf eine Anomalität im Raum-Zeit-Kontinuum gestoßen. Anders kann ich es mir nämlich nicht erklären, wie es möglich ist, dass man in der Fußgängerzone 500 Meter läuft um zum nächsten Kaufhaus zu kommen, dass gerade mal zehn Meter entfernt liegt.

Kaum war Weihnachten überlebt, rutschte der gesamte Planet schon ins nächste Jahr. Eigentlich ja auch nichts anderes als eine Fortsetzung mit gealterten Darstellern. Dass Fortsetzungen nicht immer das Gelbe vom Ei sind, wurde mir vor kurzem klar. Ich bin heute James Cameron sehr dankbar dafür, dass er den Mut hatte, in Titanic einen fetten Schlussstrich ans Ende zu setzen.

Damals fragte ich mich, inmitten von schniefenden Girlies, wie die Geschichte wohl weiter gegangen wäre, wenn Rose nicht so egoistisch gewesen wäre. Ich meine, im Ernst, sie hätte Jack doch auch einmal auf die Planke lassen können. Da hat wohl jemand das Prinzip der Nächstenliebe nicht verstanden, dachte ich. Aber eines ist klar: Alice Schwarzer war sicher stolz auf sie.

Neulich kam ich, gut zwölf Jahre später, in den Genuss, die Fortsetzung zu sehen. Zeiten des Aufruhrs ist die perfekte Weiterführung des Millionen-Dramas. Jack und Rose sind erwachsen geworden, sie haben geheiratet und ein amerikanisches Vorstadthäuschen gekauft. Sie haben neugierige Nachbarn, zwei Kinder – er arbeitet in einem Konzern, sie daheim am Herd. Sie streiten sich bis aufs Blut und am Ende stirbt tatsächlich jemand. Es ist die Geschichte einer Liebe, die irgendwie aus den Fugen geraten ist und es ist das wirkliche Ende des Schmachtfetzens, der Teenies literweise Tränen vergießen ließ. Deswegen möchte ich an dieser Stelle James Cameron dafür danken, dass er nicht auf seine Frau gehört hat und Leonardo einfach in den Fluten sterben ließ.

Trotz allem ist Zeiten des Aufruhrs zu empfehlen – besonders wenn man eine junge, heiratswütige Tochter hat. Mein Tipp: einfach den Film schauen lassen und währenddessen das Catering wieder abbestellen.

...von monkeyeve. 2. Januar 2010 um 21:59. Schublade: filmgeschichte, monkeysee Socken: , .


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