Willkommen auf dem Wortspielplatz! Hier geht es um alles, doch nichts Banales. Allenfalls Bananen. Hier geht es um Worte. Schöne Worte, hässliche Worte, aber immer in ihrer schönsten Form: dem Satz. Und davon gleich mehrere!

über die liebe

Noch nie habe ich einen körperlichen Brechreiz bei einem Film verspürt. Doch der wahnwitzige Versuch, sich die Premiere von Eclipse schönzusehen, war meine erste Nahtoderfahrung. Ich war ja auf so einiges gefasst, als ich den Kinosaal betrat – auf kreischende Teenies, still schluchzende Mittvierzigerinnen und einen Schmusezirkus im 16:9-Format. Doch meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

Dabei entgeisterte mich eher das Geschehen auf der Leinwand als auf den Sitzen hinter mir. Klar, bei jeder Mundbewegung eines gewissen Vampirs entfuhr den Hormonen hinter mir ein Aufstöhnen, als würde die Welt demnächst untergehen und nur besagter Blutsauger könnte sie auf Händen vor der Apokalypse wegtragen. Am liebsten hätte ich mich umgedreht und den Quasi-Ohnmächtigen mitgeteilt, dass sie alle potenzielle Rosamunde Pilcher-Gucker seien.

Aber, drehen wir uns um 180 Grad und betrachten die Leinwand. Was sich dort abspielte, war…ach, mir fehlen die Worte. Ich beschreibe der Einfachheit halber die erste Kamera-Einstellung: eine Blumenwiese im Leinwandformat.

Also bitte, eine Blumenwiese! Und nicht nur irgendeine Blumenwiese, nein, eine Blumenwiese mit genmanipuliert explodierenden lila Blüten vor einem sattgrünen Wald unter einem cyanblauen Himmel. Das letzte Mal habe ich das gesehen, als ich von meinen Eltern gezwungen wurde, einen Heimatfilm zu konsumieren. Und damals hatten die es mit der Farbregulierung einfach noch nicht so drauf.

Mitten in der Blütenpracht, die selbst die Insel Mainau grün vor Neid hätte werden lassen, saß dekorativ ein verliebtes Pärchen. Ja hat der Regisseur denn nie “Drehbücher for dummies” gelesen?! Kapitel 1: Beginne niemals nie nicht einen Liebesfilm mit einer kitschigen Blumenwiese oder einem Sonnenuntergang. Wenn du das machst, nehmen Dich nur noch Dreijährige, Blinde und Kiffer ernst. Stattdessen gab uns Twilight eine Overdose mit nackten Oberkörpern vor im Abendrot glühenden Schneelandschaften – als hätte die Regie ein paar Schundheftchen vom Bahnhofskiosk verschluckt.

Die Hauptdarsteller machten mich derweil mit ihren Schlafzimmerblicken schier wahnsinnig. Bellas Mimik definierte sich über einen schmollend geöffneten Mund (wie auch immer das möglich ist), Edward hingegen hatte den ganzen Film über einen konstant leidenden Gesichtsausdruck, den er spaßeshalber auch auf dem roten Teppich auflegt, wenn er die Mädels mal kurz zum kreischen bringen möchte.

Oh richtig, eigentlich wollte ich über die Liebe schreiben. An dieser Stelle möchte ich sagen: Liebe Stephenie Meyer, SO nicht. Wenn ich Disney haben will, dann schaue ich auch Disney an. Da gehören auch all die Blumen von Deiner Wiese hin. So gerne hätte ich Dich mit Deiner gar nicht so schlechten Idee zu einem Brainstorming mit Shakespeare geschickt. Dann hättest Du möglicherweise sogar echte, lebendige Charaktere geschafft, denen man ihr Liebesleiden nachfühlt. Aber, wie sagt man so schön: kann ja noch werden.

Für eines möchte ich Miss Meyer jedoch danken: in jedem Twilight-Film spielt Muse auf. Und dafür, Du kleine Horrorqueen, mag ich Dich doch ein wenig.

...von monkeyeve. 19. Juli 2010 um 21:49. Schublade: filmgeschichte, monkeysee Socken: , , , .


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