Wenn mich jemand nach dem Wahrzeichen Stuttgarts fragenwürde, wäre meine Antwort: die cocktailbeseelte Junggesellin, die im Enchilada ihren Abschied aus dem Singledasein begeht.
Es ist unvergleich, in welchen Massen die Heldinnen des glorreichen Spießertums ihren Einstand ins Eheleben feiern. Wie frisch erwachte Amazonen stürzen sie sich aufs unschuldige Nachtleben, bereit, jedem Anflug von Spaß den Garaus zu machen. Wem die rechtzeitige Flucht nicht gelingt, der sollte sich in der Nähe der brautschleierbewehrten Kriegerinnen möglichst unauffällig verhalten – einmal zu laut gelacht oder beim Hinschauen ertappt, schnappt die Rosenfalle zu.
Aber nicht nur welke Rosen, auch lauwarmes Bier oder Pariser* werden einem hinterhergetragen. Solange, bis man seinen Notgroschen nicht für einen lebensrettenden Long Drink (weil junggesellinnenausblendend) ausgibt, sondern für die Grundsteinlegung einer Institution, die wahrscheinlich in fünf Jahren seinerseits durch einen Seitensprung und ihrerseits durch einen Talkshowbesuch in ihren Grundfesten erbeben wird.
Rein wirtschafltich betrachtet, keine lohnenswerte Investition.
Doch wie dagegen angehen? Wie ich neulich feststellte, ist die beste Tarnung – genau wie bei Chuck Norris – immer noch die größtmögliche Distanz zu den Heiratsfreudigen.
Aber zum Glück haben Türsteher inzwischen auch Junggesellinnen auf ihrer Fahndungsliste und lassen sie garnicht mehr in ihre heiligen Dancehallen. Dumm nur, wenn das Wetter gut ist, dann lauern einem die wilden Tigerinnen schon draußen auf.
*ach, ist das Wort nicht schön? Schade, dass sie einem nicht echte Pariser verkaufen – mit Baguette unterm Arm.
Mein Dank gilt: Flo, der mich auf dieses Thema aufmerksam machte (proportional zu unserem Promillegehalt stieg die Dringlichkeit, diesen Artikel zu schreiben), außerdem den willigen Heiratswilligen und schließlich meiner Hosentasche, den darin hab ich nach wochenlanger Suche den Zettel mit der Erstfassung wiedergefunden.
...von . 27. August 2009 um 16:12. Schublade: stadtgespräche Socken: hochzeit, junggesellen, terrorismus.









von affe zu affe
Beobachten kann man dieses Phänomen des gruppeniduzierten Würdeverlustes aber auch außerhalb von Stuttgart. Zu bemerken ist aber überall: die Frequenz steigt.
Du hast mir einen schweren Stein vom Herzen geschrieben.
REPLY:
Aber ich glaube Stuttgart dankt so schnell als Hochburg nicht ab. Nur zeitweise im September/Oktober. Wobei ich gestehen muss, dass ich diesen tiefausgeschnittenen, bierbeseelten, bierbankbewegenden Momenten zeitweise beiwohnen werde. Muss man eben mal gesehen haben (was soll ich sonst meinen Enkeln erzählen? wie mich die Wirtschaftsrkeise hinterrücks überfiel? nein, ich will doch sagen können: früher war alles lustiger.).