Willkommen auf dem Wortspielplatz! Hier geht es um alles, doch nichts Banales. Allenfalls Bananen. Hier geht es um Worte. Schöne Worte, hässliche Worte, aber immer in ihrer schönsten Form: dem Satz. Und davon gleich mehrere!

Wie ich Helge Schneider eine Nudelsuppe kochte.

Diesmal komme ich tatsächlich mainstream-blog-like mit einer Tagebuchgeschichte daher. Dieses eine Mal müsst Ihr mich entschuldigen, denn manchmal gibt es Geschichten, die irgendwie festgehalten werden müssen – und da ich die Dokumentation meines Lebens normalerweise nur dementen Außerirdischen anvertrauen würde, muss in diesem Fall das Internet als Seelenspiegel herhalten.

Vor Helge kommt jedoch erst einmal Hesse zu Wort:“Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” schrieb der Gute einmal. Damit hatte er so sehr recht, dass sich diese Phrase einfach nicht totzitieren lässt. Denn genauso ging es mir, als ich mein geballtes Wissen, in Form einer Diplomarbeit, endlich loswurde. Da kam ich frisch aus dem Studentendasein und dachte, die weite Welt steht mir offen. Jetzt konnte ich theoretisch alles werden: Nobel-Preisträger, der Erfinder des Käsepuddings, Pudelfriseur, wirklich alles.
Doch kaum trat ich über die Schwelle, wurde ich dezent von der Seite angeräuspert. Ein graugekleideter Brillenträger lüpfte höflich, aber bestimmt seinen grauen Hut. “Krise mein Name, sehr erfreut.” Ne, dachte ich, nicht erfreut.
Was nun? Dastehen und smalltalken oder die Beine in die Hand nehmen und flüchten? Klar, wofür ich mich entschieden habe. Und gerade diese Flucht nach vorne, machte mich zur Kurzzeit-Köchin von Helge Popelge.

Wie es dazu kam? Ich habe das Glück, zur Zeit mit einem Redner/Künstler/Zauberer, für den die passende Schublade erst noch gebaut werden muss, durch Deutschland zu touren. Wo ein Künstler sein Lagerfeuer aufschlägt, tauchen früher oder später auch andere kreative Zigeuner auf. Einer davon war Monsieur Schneider.

Doch wie stellt sich der Erfinder des Katzenklos vor, wenn man ihm zufällig über den Weg läuft? Wie jeder andere auch – mit seinem Namen, ganz so, als wäre die Welt voll von Helges. Sympathiepunkt Numero Eins. Als der bärtige kleine Mann mir seine Hand entgegenstreckte, kämpften also der kleine, kichernde Teenie gegen die Vernunfts-Matrone in mir. Nur so konnte ich ganz knapp einer spontanen Ohnmacht entgehen und Helge aufrecht begrüßen.

Kurze Zeit später stand ich mit ihm in der Teeküche des Theaterhauses. “Hättest Du gerne Zwiebeln in der Nudelsuppe?” – “Ne, lieber Würstchen.”. Hmm, nicht gerade ein druckreifer Dialog. Nichts, was man erwartet, wenn man mit einer derart prominenten Person spricht.

Ja, wer sich jetzt brisante Informationen aus Herrn Schneiders Privatleben erhofft, den muss ich enttäuschen – das Gespräch wurde tatsächlich nicht tiefgründiger als der Suppenteller. Wir unterhielten uns einfach über den Tellerrand hinweg über neue Kinder, die Architektur von Rewe-Supermärkten und zerstörten Hotelzimmern.
Doch genau das war das Bemerkenswerte an Helge. Ein völlig unkomplizierter Mensch, der nicht den kleinsten Hauch von Arroganz (vom Rüschenhemd einmal abgesehen) mit sich herumtrug. Kein Manager im Schlepptau, keine fette Limousine, sondern ein Wohnwagen auf dem Theaterparkplatz und Schlaghosen. Da dachte ich mir, jemand, der es nach so langer Zeit im Rampenlicht geschafft hat, ein Mensch aus echtem Schrot und Korn zu bleiben, hat doch einen Artikel und ein großes Lob verdient.

Na gut, ein intimes Detail hätte ich dann doch noch für Euch. Was denkt Ihr denn, was  Helge zu der Nudelsuppe aß? Ein Käsebrot natürlich.

...von monkeyeve. 2. November 2009 um 14:44. Schublade: stadtgespräche Socken: , .


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